Weichen & Antriebe

Groß wie Klein: die Canadian National hat sich eine Weiche gekauft und da liegt sie nun im Bahnhof von Vancouver

Rein geschichtlich habe ich schon alles an Schienen- und Weichenmaterial erlebt, was der Markt hergibt: von Spur N bis Fleischmann Spur 0 über alle möglich Märklin-Formen bis eben nun zu den verwendeten H0-Weichen. Ich gebe es vorweg zu: ich habe keine einheitlichen Weichentypen verbaut. Durch die frühen Wurzeln meines Projektes begann ich mit ca. 60 Stück PECO Code 100 Weichen. Das waren so die Standart-Weichen meines Freundes Bill bei Central Hobbies in Vancouver und zusammen mit 30 PECO Code 100 Flexgleisen begann der Bau.

Als es freilich um die Erweiterung ging, waren in München besser die ROCO-Weichen zu bekommen, - und damit die Vielfalt auch zum Zuge kommt, gibt es auch 3 verstreute PICO-Weichen. Alle Weichen bis auf 4 Stück sind Code 100, eine Formatentscheidung, die ich vielleicht manchmal etwas bereue, aber man kann das nicht mehr ändern, die neue Bergstrecke ist ja dann auch in Code 83 ausgeführt. Im Betrieb muss sich dann aber zeigen, ob nicht, was ich vermute, meine ältesten Loks andere Spurkränze haben vermutlich etwas härter über die Weichen-Herzen holpern werden.

Meine ersten Weichen sind zu steil, - das ist Segen und Fluch gleichzeitig. Diese PECO-Weichen sind im Radius grenzwertig für manche Loks, allerdings bei meiner Enge in den Weichentrassen ideal. Wenn man alles nochmal von vorne planen könnte....aber nun ist es so und ich betreibe diese Weichen in großer Stückzahl. Um sie anzutreiben muss man die Schnappfeder herausoperieren, denn es soll ja eine langsame Motorsteuerung verwendet werden.

Bei den Weichenherzen gibt es auch sichtbare Unterschiede zwischen den PECO Weichen (hier im Bild) und den ROCO-Weichen.

Die ROCO-Weichenherzen wirken deutilch klobiger. Aber bei dem Weichen-Motor-Antreib ist es egal, ob PECO oder ROCO, weich & langsam gestellt werden beide perfekt mit dem Tortoise-Unterflur-Motor.

Ich verwende ausschließlich Tortoise Motoren. Diese sind wieder zweischneidig, zum einen sicher, zuverlässig und super-langsam, aber die haben auch eine enorme Größe und so gibt es mehr als 4 Stellen bei mir, wo mechanische Absetzungen des Motors von der Weiche erfolgen musste, weil unverzichtbare Strecken unten durchgehen.

Tortoise bietet für solche Fälle ein etwas klobiges mechanisches Gebilde, das selbst zusammengebaut werden muß. Es gibt Momente, wo man sich wundert, wie die Amerikaner damals zum Mond kamen....

Anyway, der abgesetzte Tortoise-Motor ist nur durch einen hauchdünnen Teflon-Schlauch mit Stahldraht-Seele verbunden, den man fast nicht sieht. Damit kann man 30cm und mehr Abstand gewinnen.

Bevor man alles zusammenbaut, muß man den Hebelwinkel mittels der Achsschraube justieren, die später mit montiertem Motor nicht mehr zugänglich ist.

Hier sieht man in der Nahaufnahme gut die Konstruktionsweise und die Idee, die dahinter steht.

Die etwas umständliche Bauanleitung nebst komplizierten Zeichnungen für einfache Vorgänge  sollte einen nicht abhalten. Hier das Steuerteil, das unter die Weiche montiert wird. Wenn ich Flügelsignale hätte wäre so ein abgesetzer Antrieb auch interessant.

Der Unterschied dieser Motorantriebe zu anderen Spulenantrieben ist der, dass er keine Endabschaltung besitzt und die Umschaltung lediglich durch Umpolung des angelieferten Stromes erfolgt. Trotzdem ist der Ruhestromfluß so gering, daß dünne Kabel zum Anschluß reichen. Ausserdem hat bei mir die die Weichengemeinde einen eigenen Booster.

Die Montage ist etwas schwierig: man muss den Stelldraht des Tortoise irgendwie von unten durch das Mini-Loch in der Weiche fädeln und dann den Weichenmotor fixieren, - aber wie? Ich bin dazu übergegangen, da mit meistens 3. und 4. Arme fehlen, die Dinger einfach mit Pattex anzukleben. Nicht fein, aber haltbar. Vor dieser Montage wird der Weichenmotor exakt in die Mitte gestellt, der Motor durchgefädelt und angedrückt: die Weiche muss nun genau in der Mitte stehen, - hat immer geklappt. Ausserdem kann man leicht nachjustieren mit einer Flachzange. Auch wichtig: das Loch unter der Weiche muss gross genug sein, dass die Triebfeder genug Spiel hat. Und darf beim Einschottern nicht behindert werden.

Die Tortoise Weichenmotoren haben neben den beiden Anschlüssen für die Steuererung noch zwei unabhängige Umschalter integriert, mit denen man diverses schalten könnte, zum Beispiel eine Rückmeldung.

Ich habe diese Kontskte in ein paar Fällen an Signalen hängen.

Ich plane, diese Weichenmotoren auch für zwei Bahnübergänge einzusetzen, da sie wirklich langsam laufen und so ideal auch für diese Aufgaben geeignet scheinen.

Die Steuerung der Weichenmotoren erfolgt mit einem DS44 von Digitrax, der bis zu 4 Stellmotoren versorgen kann. Meine ca. 100 Weichen-Decoder werden aus einem separaten 8A Booster-Stromkreis gespeist, um keine Probleme beim Schalten meherer Weichen gleichzeitig zu bekommen, und die gleichzeitige Dauerstrombelastung der 100 Weichen zu stemmen. Ausserdem ist immer die Höchstbelastung beim Starten der TC am Computer, wenn die Software die Digitalzentrale "online" schaltet und alle Weichen gleichzeitig in Startposition gehen. Bisher ging das Konzept auf, wenn auch noch nicht alle Weichen verkabelt und angeschlossen sind.

Das oben gezeigte Bild ist aus einer früheren Phase meines Aufbaus. Inzwischen verbaue ich aus Service-Gründen keinen DS44 mehr in Weichennähe und auf die Unterseite der Platte geklebt. Von allen Weichenmotoren führen Kabel zu Sammelpunkten, an denen dann 4 bis 6 DS44 über Stecker zusammengefaßt sind. So komme ich immer an die Decoder und hoffe, bei (Gott sei Dank noch nie aifgetretenen) Störungen besser helfen zu können.

Ausserdem hat jeder Decoder eine Programmierleitung, an die man zum Umprogrammieren von Adressen unbedingt drankommen muss. Muß man Umprogrammieren? Eigentlich nicht, - aber z.B. die Steuersoftware TC verlangt, dass Doppelkreuzungsweichen von 2 nacheinander liegenden Adressen gesteuert werden, hupps, beinahe wäre was schief gegangen. Hat sich schon bewährt, oder ich hätte die Anleitung zuerst ganz durchlesen müssen, - anyway.

 

Programmieren kann man die Digitrax DS44 recht rudimentär, aber einfach, wenn man hinter das System gekommen ist, mit z.B. in meinem Fall einem Digitrax  DT400 Throttle. Einmal kapiert, klappt es gut.

 Gerade werden nach und nach Weichenmotoren nachgerüstet und so habe ich auch fast überall oben meine Weichenmotoren montiert. Aber auch ein paar Switchstands für mechanische Bedienung (Dummies!) sind montiert, - weil es so gut aussieht....

Fehlt nur noch nach dem wirklichen Stellmotor, den wir feinsäuberlich verstecken, der sichtbare Stellmotor oben. Da komme ich in Schwierigkeiten: bis 2005 gab es im gesamten Area Vancouver sehr wenige Motorweichen: an Rangiergleisen sprang eine mit Funkgerät ausgestattete Crew herum und stellte per Hand Weichen.

Eine Sonderweiche möchte ich noch erwähnen. Ich habe ein kleines stillgelegtes Bergwerk in meinem Layout und dort wird mit der Spurweite H0n3 gearbeitet, - daher gibt es diese Weiche, die von einem kombinierten H0/H0n3-Gleis eine Abzeigung der H0n3-Strecke hat, - ein Zusammenbau aus einem Shinohara-Flexglais mit beiden Spurweiten und einer Shinohara-H0n3-Weiche, - mal sehen, wie ich dieses Teil in der TC-Software eintrage und steuere.

Meine StreetCars / Trambahn hat natürlich auch Weichen, aber darüber mehr im Thema Street Car.